Pfeffer aus Malabar im Hamburger Hafen

550_Gramm_GewürzeDer Hamburger Hafen ist einer der bedeutendsten Gewürzumschlagplätze der Welt. Jährlich werden dort über 80.000 Tonnen Gewürze umgeschlagen, obwohl die Deutschen wahre Gewürzmuffel sind. Mit nur einem Pfund pro Kopf verbrauchen wir nur die Hälfte von dem, was z.B. Österreicher verwenden, vom Balkan, dem Orient oder fernen Osten ganz zu schweigen. Der Großteil davon ist Pfeffer, den pro Kopf werden in Deutschland etwa 200 Gramm pro Jahr verbraucht. So viel ist in unseren Jahrespackungen Malabar und Tellicherry Pfeffer.

Pfeffertour

Jacob_Lange_am_FletAnfang Juni war ich bei einer Pfeffersacktour des Gewürzmuseums in der Hamburger Speicherstadt unterwegs. In der Deichstraße findet man noch einige traditionelle Kaufmannshäuser mit großem Verkaufsraum und Lageräumen für die kostbare Ware. Die Gewürze wurden mit Schuten aus dem Hafen in die Fleete (Nebenarme der Elbe) geschifft, diese legten dann an den Hinterhäusern (siehe Foto) an und über eine Seilwinde wurde die Ware nach oben gehievt und verstaut. Wegen seiner keimtötenden Wirkung war er in Zeiten ohne Kühlschränke wohl vor allem sehr begehrt, damit angegangenes Fleisch wieder genießbar wurde. Zitat Gargantua: “Über ein stinkend Fleisch macht man (…) gern ein (…) Pfeffer.” Am besten aus Malabar.

Heute werden Gewürze, wie alle anderen Waren auch, in Containern verschifft. Für das Löschen eines standardisierten 15 Tonnen Containers braucht heute eine Person zwei Minuten. Für Stückgut (Ware in Säcken) brauchte man noch vor 25 Jahren für die gleiche Menge sechs Personen und vier Stunden. Ich kenne das noch, denn ich habe Ende der achtziger eine Lehre zum Matrosen gemacht und bin auf einem Halbcontainerschiff mit viel Stückgutanteil gefahren. Da war es schon mal möglich, dass wir zwei Wochen im Hafen von Rio de Janeiro oder Santos lagen, um Kaffee zu laden.

Die “Gute alte Zeit” möchte man meinen und so endige ich diesen Exkurs in die Speicherstadt mit einem Bild vom Kaiserkai. Die Person bin zwar ich, aber meine Ambitionen, mich zum Kaiser Kai krönen zu lassen, haben sich überlebt.

Nicht in Malabar, aber am Kaiserkai

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