Fair gehandelt? Unfair behandelt?

Eine Fairtrade-Kritik

Auf dem Sommerkiosk in Nürnberg wurden wir einige Male gefragt, warum wir kein Fairtrade-Siegel haben, da wir für unsere Produkte beanspruchen, dass sie fair hergestellt sind.

Zum einen schrecken uns die hohen Kosten ab. Laut Preisliste von FLO-CERT kostet nur die Antragsprüfung für deutsche Unternehmen 650 €, die Zertifizierung für kleine Unternehmen 1.200 € pro Jahr und dann kommen noch weitere Gebühren drauf. Das mag vielleicht gerechtfertigt sein, aber ich möchte mir das nicht leisten, vor allem nachdem ich einen Artikel in Die Bioküche 4/5 2013 gelesen habe. Da las ich nämlich folgendes zum Thema Fairer Kaffee:

Fair Trade zahlt derzeit für Kaffee einen vertraglich festgelegten Zuschlag von nur 10 US-Cent pro englischem Pfund (=0,454 kg) Rohkaffee über dem Weltmarktpreis für Kaffee. Also ca. 8 Euro-Cent pro 500 Gramm. Der “fair” gehandelte Kaffee kostet aber zwischen 1 und 2 € mehr im Laden. Wo bleibt die Differenz hängen? Bei den Organisationen oder beim Einzel- und Zwischenhandel? Jedenfalls nicht im Ursprungsland. Weiterhin dürfen laut FLO (Fair Label Organisation) nur Kleinbauerngenossenschaften zertifiziert werden. Die kleinsten und ärmsten Familienbetriebe sind derzeit hingegen nicht zertifiziert. Weiterhin nutzt Fair Trade den ärmsten Ländern nicht, denn die zertifizierten Produzenten sind zumeist in den Schwellenländern (z.B. Südafrika, Mexiko und Kolumbien). Wegen der hohen Zertifizierungs- und Verwaltungskosten sind die Ärmsten vom “fairen Handel” ausgeschlossen. Auf jeden Fall lohnt sich das Geschäft mit fair gehandeltem Kaffee hierzulande: Der Anteil in der Gastronomie hat sich binnen drei Jahre verdoppelt (siehe Grafik).

Fair bleiben

Für uns bedeutet das, dass wir weiterhin Pfeffer beziehen, welcher den Produzenten grundsätzlich einen 50% höheren Preis als den Weltmarktpreis garantiert – ohne dies mit einem fragwürdigen Siegel zu bewerben. Und wir werden unsere Mitarbeiter hier weit besser bezahlen, als der derzeit im Bundestag diskutierte Mindestlohn vorsieht. Auch vergessen wir dabei nicht, dass wir selbst fair uns gegenüber bleiben müssen.

Fairtrade bei KaffeeQuelle: Transfer e.V. in “Die Bioküche 4/5 2013

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